Datum
Kategorie
Weitersagen
Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing

Wie die Strompreis-Krise die erneuerbaren Energien beflügeln könnte

Der September war mild und sonnig, und dennoch steigen die Energiepreise in ganz Europa. Dieser Trend lässt die Alarmglocken läuten und veranlasste den griechischen Energieminister zu der Aussage, dass es eine internationale Energiekrise gibt. Auch wenn manche das für Schwarzmalerei halten, gibt es durchaus Grund zur Sorge, denn die nationalen Regierungen versuchen händeringend, auf die Rekordpreise für Gas zu reagieren.
Griechenland plant Subventionen für Haushalte, um die Energiekosten abzufedern, Italien arbeitet an kurzfristigen Maßnahmen, um den Preisanstieg auszugleichen, und Spanien hat bereits Notmaßnahmen zur Senkung der steigenden Preise beschlossen. Besonders hart hat es Großbritannien getroffen: Mehrere Energieversorger mussten bereits Insolvenz anmelden. Erschwerend kommt hinzu, dass eine der größten Stromleitungen des Landes, über die Strom aus Frankreich importiert wird, nach einem Brand bis zum Frühjahr abgeschaltet werden musste.
Dekarbonisierung und das klammern an strohhalme
Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Gaspreise steigen, aber das geschieht meist in den kalten Wintermonaten, wenn die Nachfrage steigt. Was also passiert hier gerade?
Die derzeitige Situation ist recht komplex, und die Ursachen dafür sind vielfältig: ein globaler Engpass bei der Gasversorgung, ein außerordentlich niedriges Windaufkommen und Engpässe bei den erneuerbaren Energien. Die Bewältigung dieser Herausforderungen könnte eine ganze Weile dauern oder liegt, wie im Falle der erneuerbaren Energien, größtenteils außerhalb unserer Kontrolle. Einige Stimmen fordern eine Rückkehr zu den Kohlekraftwerken, von denen viele bereits vorübergehend oder sogar endgültig stillgelegt wurden. Und mit dem schrittweisen Ausstieg aus der Kohle – ab 2030 soll die EU gemäß des Pariser Abkommens größtenteils dekarbonisiert sein – werden die noch in Betrieb befindlichen Kraftwerke immer unattraktiver: Sie müssen für das von ihnen ausgestoßene CO2 eine Emissionssteuer zahlen. Mit anderen Worten: Der Wunsch nach einem Comeback des schmutzigsten aller Brennstoffe ist schlichtweg ein hilfloser Versuch, sich an einen Strohhalm zu klammern und mit Sicherheit keine praktikable Option.
Marktpreisentwicklung Strom
Quelle: EEX Frontjahr NCG
In Wirklichkeit brauchen wir das genaue Gegenteil davon. Wie der Chef der EU-Kommission für den “Green Deal”, Frans Timmermans, und andere vorgeschlagen haben, sollten wir die Umstellung auf saubere Energiequellen intensivieren und deutlich beschleunigen.

Ein gängiges Argument gegen eine zu starke Abhängigkeit von erneuerbaren Energien ist, dass ihre Erzeugung volatil ist, was die Versorgungssicherheit gefährden könnte. Auch wenn dieses Argument momentan noch teilweise zutrifft, dürfte dies nicht mehr lange der Fall sein. Denn die Entwicklung unterstützender Technologien wie etwa Batterien schreitet mit bemerkenswerter Geschwindigkeit voran. Außerdem muss man bedenken, dass die Preise für fossile Brennstoffe äußerst unberechenbar sind. Im Gegensatz zu den Strompreisen für Solar- und Windenergie, deren Kosten zum Zeitpunkt der Installation feststehen, ändern sich die Preise für fossile Brennstoffe ständig, da sie von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden, vor allem von der Geopolitik.

Auswirkungen und chancen
Kurioserweise ist diese besorgniserregende Entwicklung auf den Energiemärkten für Unternehmen wie uns, die sich auf erneuerbare Energien und damit zusammenhängende nachhaltige Dienstleistungen spezialisiert haben, geradezu ein Segen. Denn die Energieunternehmen werden nun notgedrungen versuchen, ihre höheren Kosten an die privaten Endkunden weiterzugeben. Das schafft große Anreize für den Kauf einer Photovoltaikanlage samt Batteriespeicher. Außerdem steigt der Preis für CO2-Zertifikate weiter an. Diese beiden parallel verlaufenden Trends dürften die Dekarbonisierung weiter beschleunigen, denn sie werden wohl dazu führen, dass immer mehr Menschen den Kauf eines Elektroautos und einer eigenen Ladestation in Betracht ziehen. Mit einer eigenen PV-Anlage wird der Kauf eines Elektroautos sogar noch attraktiver: Man produziert den Strom selbst, warum also nicht ein Elektroauto kaufen, das in der Lage ist, diese Energie zu nutzen? In Anbetracht der steigenden Benzinpreise und der strengen Abgasvorschriften lohnt sich eine solche Investition mehr denn je.
Es war klar, dass die Umstellung auf erneuerbare Energien nicht ohne Probleme vonstatten gehen würde, und wir alle sind uns darüber im Klaren, dass es auf dem Weg dorthin einige unvorhergesehene und unerwartete Hindernisse geben wird – wie zum Beispiel den derzeitigen Preisanstieg. Nichts davon sollte uns jedoch auf unserem Weg in eine nachhaltige Zukunft bremsen.

Diese Webseite verwendet Cookies, um Ihren Besuch so angenehm wie möglich zu gestalten. Mehr Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.